Das Investment Policy Statement, übersetzt für den selbstbestimmten Anleger: ein Regelwerk, das Sie sich selbst schreiben, um den ruhigen Kopf von heute an den gestressten von morgen zu binden.
Ein Mandat ist im Kern eine einfache Sache: ein Satz Regeln, den Sie für Ihr eigenes Geld aufschreiben, bevor die Märkte Sie unter Druck setzen. Ihr Mandat sind die Regeln, die Sie sich selbst geben. Es ist kein Auftrag an einen Verwalter und keine Vollmacht. Es ist ein Dokument, in dem Sie als ruhiger Mensch festhalten, wie der gestresste Mensch in sechs Monaten handeln soll. Das Konzept stammt aus der Vermögensverwaltung, wo es Investment Policy Statement (IPS) heißt. Diese Übersetzung holt es zu Ihnen zurück.
In der Finanzbranche bezeichnet „Mandat“ oft das Gegenteil von Selbststeuerung: ein Vermögensverwaltungsmandat überträgt einem regulierten Verwalter die Entscheidungsgewalt, in Ihrem Namen zu kaufen und zu verkaufen. Genau dieses Missverständnis möchten wir hier ausräumen. Das Mandat, um das es in diesem Text geht, ist das Spiegelbild davon.
Ihr Mandat sind die Regeln, die Sie sich selbst geben. Sie sind zugleich der Auftraggeber, der die Regeln beschließt, und die Person, die an sie gebunden ist. Niemand handelt für Sie, niemand erhält Zugriff auf Ihr Depot. Das Mandat steuert die Regeln, nicht die Vermögenswerte. Es ist, wie das CFA Institute den Gedanken formuliert, ein Leitfaden für die Entscheidungsfindung, nicht eine Abtretung der Entscheidung selbst.
Das CFA Institute trennt in seinem Konzept des Investment Policy Statement sauber zwischen demjenigen, der die Richtlinie beschließt (dem Auftraggeber), und einem etwaigen Berater, der sie nur ausführt und überwacht. Beim selbstbestimmten Anleger fallen diese Rollen zusammen: Sie sind Autor, Genehmigender und gebundene Partei in einer Person.
| Mandat (Selbstbindung) | Vermögensverwaltungsmandat |
|---|---|
| Sie schreiben die Regeln selbst auf | Ein Verwalter erhält Entscheidungsgewalt |
| Nur lesend: niemand handelt für Sie | Diskretionär: der Verwalter handelt für Sie |
Es ist ein selbst geschriebenes Regelwerk für Ihr eigenes Geld, abgeleitet vom Investment Policy Statement (IPS) der Vermögensverwaltung. Ihr Mandat sind die Regeln, die Sie sich selbst geben. Sie sind Autor, Genehmigender und gebundene Partei in einer Person; niemand handelt für Sie.
Ein Vermögensverwaltungsmandat überträgt einem regulierten Verwalter die Entscheidungsgewalt, in Ihrem Namen zu handeln. Das Mandat hier ist das Gegenteil: read-only und selbstbestimmt. Es steuert die Regeln, nicht die Vermögenswerte, und ist nicht reguliert.
Nur nach einer Abkühlphase, nie in der Marktpanik. Der richtige Anlass ist die geplante Überprüfung (mindestens jährlich) oder ein klar definiertes Lebensereignis. Ein fallender Markt ist der Moment, für den das Mandat geschrieben wurde, kein Grund, es zu ändern.
| Autor, Genehmigender und Gebundener sind dieselbe Person | Auftraggeber und Verwalter sind getrennt |
| Steuert die Regeln, nicht die Vermögenswerte | Steuert die Vermögenswerte direkt |
| Reguliert: nein, nur Selbstdisziplin | Reguliert und treuhänderisch |
Der Ursprung des Konzepts ist institutionell und treuhänderisch: Pensionskassen, Stiftungen und Trusts arbeiten seit Langem mit einem schriftlichen Policy Statement, damit die Verwaltung des Vermögens nicht von der Stimmung eines einzelnen Tages abhängt. Was für eine Stiftung gilt, gilt für Ihr Depot in kleinerem Maßstab genauso.
Der Mechanismus hinter einem Mandat ist die Selbstbindung, im Englischen oft als commitment device beschrieben. Sie binden sich im Voraus. In einem ruhigen Moment, in dem Sie klar denken, legen Sie fest, wie Sie sich in einem unruhigen Moment verhalten werden, in dem Sie es vielleicht nicht tun. Das Aufschreiben verschiebt die Entscheidung von der Phase der Panik in die Phase der Überlegung.
Das CFA Institute beschreibt in seinem Leitfaden zum Investment Policy Statement für Privatanleger (2010), dass das Dokument „als Richtschnur dient, die einen objektiven Handlungsrahmen vorgibt, dem in Phasen von Marktturbulenzen gefolgt werden kann, wenn emotionale oder instinktive Reaktionen sonst zu weniger umsichtigen Handlungen verleiten könnten“. Das ist der ganze Sinn der Übung: Die Regel, die Sie in Ruhe geschrieben haben, hält dem Impuls stand, den der Stress erzeugt.
Sie legen heute fest, wie Sie morgen handeln, wenn Sie es vielleicht nicht mehr klar entscheiden können.
Ein vorsichtig formulierter, optionaler Hinweis zur Größenordnung: Vanguard schätzt in seiner Advisor's-Alpha-Untersuchung, dass Verhaltens-Coaching, dort im Kontext der Beratung, rund 150 Basispunkte (1,5 Prozent) pro Jahr beitragen kann. Das ist eine Schätzung, kein Versprechen, und sie hängt vollständig davon ab, ob man in schwierigen Phasen tatsächlich beim Plan bleibt. Genau dabei soll ein Mandat helfen.
Das CFA-Konzept gliedert ein Investment Policy Statement in vier Abschnitte. Dieselbe Struktur lässt sich eins zu eins auf Ihr persönliches Mandat übertragen.
Die vier Abschnitte eines Mandats
Der erste Abschnitt, Zweck und Geltungsbereich, hält schlicht fest, worauf sich das Mandat bezieht, etwa Ihr langfristiges Anlagedepot, getrennt von Tagesgeld und Notreserve.
Der zweite Abschnitt, die Steuerung, klingt bürokratisch, ist aber der Kern der Selbstbindung. Bei einem institutionellen Mandat steht hier, wer entscheidet, wer ausführt und wer überwacht. Bei Ihnen sind das dreimal Sie. Wichtig ist vor allem das Verfahren: Wie und wann wird das Mandat überprüft? Eine jährliche Überprüfung ist der übliche Mindestrhythmus.
Der dritte Abschnitt, die Ziele, übersetzt Ihre Absichten in Anforderungen. Dazu gehört die Risikotoleranz, die sich konkret fassen lässt, zum Beispiel als ein höchstens hinnehmbarer Verlust über zwölf Monate, dessen Überschreitung ein Herunterfahren des Risikos auslöst. Daneben stehen die klassischen Rahmenbedingungen: Zeithorizont, Liquidität, Steuern sowie rechtliche und besondere Umstände.
Der vierte Abschnitt, das Risikomanagement, wird konkret. Hier steht die Zielallokation „mit zulässigen Bändern um die Zielwerte“, wie das CFA Institute es nennt, also nicht „60 Prozent Aktien“ als starrer Punkt, sondern als Korridor. Dazu gehört die Rebalancing-Regel. Und falls Ihre Richtlinie lautet, nicht zu rebalancieren, wird auch das ausdrücklich dokumentiert.
Ein persönliches Mandat braucht keine zwanzig Seiten. Eine Seite genügt, wenn sie die Entscheidungen enthält, die unter Druck zerfallen. Sieben Bestandteile bilden den Mindestumfang.
Mindestinhalt eines einseitigen Mandats
Schreiben Sie in ganzen, einfachen Sätzen, so dass die Regel auch dann verständlich ist, wenn Sie sie unter Stress lesen. „Ich verkaufe nicht in fallende Märkte“ ist eine bessere Mandatszeile als eine abstrakte Risikokennzahl, weil sie genau in dem Moment greift, in dem die Hand zum Verkaufsknopf wandert.
Ein Mandat ist kein Stein, sondern ein lebendes Dokument. Lebensumstände ändern sich, der Zeithorizont verkürzt sich, Ziele verschieben sich. Deshalb gehört das Änderungsprotokoll zum Mindestinhalt. Es hält fest, was Sie wann und warum geändert haben.
Die entscheidende Regel betrifft den Zeitpunkt: Änderungen erfolgen nur nach einer Abkühlphase, nie in der Marktpanik. Wenn die Märkte fallen und Ihr Mandat sich plötzlich falsch anfühlt, ist das fast nie ein Grund, das Mandat zu ändern. Es ist der Moment, für den Sie es geschrieben haben. Die geplante jährliche Überprüfung, oder ein klar definiertes Ereignis in Ihrem Leben, ist der richtige Anlass, das Mandat ruhig zu überdenken. Ein roter Tag an der Börse ist es nicht.
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