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WissenCoast FIRE erklärt: Wann können Sie aufhören zu sparen?
Wissen · FIRE & Freiheit11 Min. Lesezeit

Coast FIRE erklärt: Wann können Sie aufhören zu sparen?

Der Zinseszins macht die Arbeit

Investboard Redaktion·30. März 2026

Inhalt

  • Was ist Coast FIRE?
  • Die Coast FIRE Formel
  • Ihre Coast FIRE Zahl berechnen
  • Coast FIRE in Deutschland: Steuern einkalkulieren
  • Coast FIRE vs. Barista FIRE
  • Wann haben Sie Coast FIRE erreicht?
Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Was ist Coast FIRE?
  • Die Coast FIRE Formel
  • Ihre Coast FIRE Zahl berechnen
  • Coast FIRE in Deutschland: Steuern einkalkulieren
  • Coast FIRE vs. Barista FIRE
  • Wann haben Sie Coast FIRE erreicht?

Coast FIRE ist die ruhigste Variante der finanziellen Unabhängigkeit. Es verlangt keinen frühen Ausstieg und keinen radikalen Sparkurs, sondern eine einzige, früh getroffene Entscheidung: genug anzulegen, damit der Zinseszins die restliche Arbeit übernimmt. Wer diesen Punkt erreicht, muss für das Alter nichts mehr zurücklegen. Das Depot wächst von allein weiter, während das laufende Einkommen nur noch das heutige Leben tragen muss.

Das klingt entspannter, als es ist, denn die ganze Idee ruht auf einer Annahme über die Zukunft: einer angenommenen Rendite über viele Jahre. Diese Annahme ist zugleich die Stärke und die Schwäche des Konzepts. Sie macht Coast FIRE planbar, und sie macht es empfindlich.

Coast FIRE verschiebt die Last vom Sparen auf die Zeit. Ob der Tausch aufgeht, entscheidet eine Zahl, die niemand kennt.

Was ist Coast FIRE?

Coast FIRE beschreibt einen Zwischenstand auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit. Sie haben Coast FIRE erreicht, wenn Ihr bereits investiertes Vermögen groß genug ist, dass es allein durch Wachstum bis zum klassischen Renteneintritt Ihre angestrebte FIRE-Zahl erreicht, also das Vermögen, von dem Sie dauerhaft leben möchten. Ab diesem Moment können Sie die Sparrate für die Altersvorsorge theoretisch auf null senken. Das Depot wird nicht mehr gefüttert, es trägt sich selbst.

Der Begriff stammt aus der internationalen FIRE-Bewegung (Financial Independence, Retire Early) und steht neben mehreren Spielarten desselben Grundgedankens. Beim klassischen FIRE sparen Anleger so lange, bis das Vermögen etwa das 25-fache der Jahresausgaben erreicht, und steigen dann vollständig aus. Lean FIRE plant mit einem bewusst knappen Budget, Fat FIRE mit einem großzügigen. Barista FIRE kombiniert ein teilweise aufgebautes Portfolio mit Teilzeitarbeit. Coast FIRE unterscheidet sich von all diesen darin, dass es kein Ausstieg ist, sondern eine Entlastung: Sie arbeiten weiter, aber Sie sparen nicht mehr für später. Sie verdienen nur noch, was das heutige Leben kostet.

Der psychologische Reiz liegt im Hebel der frühen Jahre. Geld, das mit 30 angelegt wird, hat dreieinhalb Jahrzehnte Zeit zu wachsen, bevor es mit 65 gebraucht wird. Genau diese Zeit ist der Rohstoff von Coast FIRE. Je früher der Grundstock steht, desto kleiner muss er sein, um dasselbe Ziel zu erreichen. Wer spät beginnt, braucht einen deutlich größeren Startbetrag, weil weniger Jahre für die Verzinsung bleiben.

Wichtig ist die Abgrenzung zur vollen finanziellen Unabhängigkeit. Coast FIRE bedeutet nicht, dass Sie aufhören können zu arbeiten. Es bedeutet, dass Sie aufhören könnten, für das Alter zu sparen. Das laufende Einkommen muss weiterhin Miete, Versicherungen und Alltag decken. Was wegfällt, ist allein der Sparzwang für die ferne Zukunft, und damit ein guter Teil des Drucks.

Investboard Redaktion·Aktualisiert: 30. März 2026

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Steuerberatung oder Anlageberatung dar. Für individuelle steuerliche Fragen wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater.

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Inhalt

  • Was ist Coast FIRE?
  • Die Coast FIRE Formel
  • Ihre Coast FIRE Zahl berechnen
  • Coast FIRE in Deutschland: Steuern einkalkulieren
  • Coast FIRE vs. Barista FIRE
  • Wann haben Sie Coast FIRE erreicht?
Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Was ist Coast FIRE?
  • Die Coast FIRE Formel
  • Ihre Coast FIRE Zahl berechnen
  • Coast FIRE in Deutschland: Steuern einkalkulieren
  • Coast FIRE vs. Barista FIRE
  • Wann haben Sie Coast FIRE erreicht?

Die Coast FIRE Formel

Die Mathematik hinter Coast FIRE ist die Barwertrechnung, also die Frage: Wie viel muss ich heute besitzen, damit es bis zu einem künftigen Zeitpunkt auf einen Zielbetrag anwächst? Die Coast-Zahl ist der heutige Gegenwartswert Ihrer FIRE-Zahl.

Coast-FIRE-Formel

Coast-Zahl = FIRE-Zahl / (1 + r)^n

Dabei steht die FIRE-Zahl für das Vermögen, das Sie zum Renteneintritt erreicht haben möchten. Das r ist eine angenommene reale Rendite pro Jahr, also nach Abzug der Inflation, und n die Zahl der Jahre bis zum klassischen Renteneintritt. Erreicht ist Coast FIRE, wenn Ihr heutiges Portfolio, hochgerechnet mit derselben Annahme, die FIRE-Zahl mindestens trifft: aktuelles Vermögen × (1 + r)^n >= FIRE-Zahl.

Der wunde Punkt dieser Formel ist das r. Es ist keine gemessene Größe, sondern eine Annahme über Jahrzehnte, und die Formel reagiert extrem empfindlich darauf, weil r im Exponenten steht. Über lange Zeiträume verändert schon ein einziger Prozentpunkt das Ergebnis dramatisch. Wer mit 5 Prozent realer Rendite über 30 Jahre rechnet, kommt zu einer ganz anderen, viel kleineren Coast-Zahl als jemand, der vorsichtige 4 Prozent ansetzt. Beide Annahmen sind vertretbar, und keine ist eine Vorhersage.

Die Coast-Zahl ist nur so belastbar wie das angenommene r. Historische Schätzungen für globale Aktien liegen langfristig bei rund 5 Prozent realer Rendite pro Jahr (etwa nach Dimson-Marsh-Staunton und Kommer), für vorsichtige Vorausplanung werden oft 4 bis 5 Prozent angesetzt. Das sind Annahmen aus der Vergangenheit, keine Garantie für Ihre Zukunft. Rechnen Sie das Ergebnis bewusst mit einer niedrigeren Rendite gegen, um zu sehen, wie weit Ihr Plan trägt.

Eine Folge dieser Empfindlichkeit ist, dass Coast FIRE weniger ein fester Punkt ist als ein Korridor. Statt einer einzigen Coast-Zahl ist es ehrlicher, mit einer Spanne zu arbeiten: ein optimistisches und ein vorsichtiges Szenario, zwischen denen Ihr tatsächlicher Weg verläuft. Die Wahrheit kennt man erst rückblickend, wenn die Jahre vergangen sind.

Ihre Coast FIRE Zahl berechnen

Die Formel lässt sich am leichtesten greifen, wenn Sie konkrete Zahlen einsetzen. Der folgende Rechner schätzt aus Ihren monatlichen Ausgaben und Ihrem heutigen Portfolio die FIRE-Zahl nach Steuern und die Jahre bis dahin.

Rechner · Regular FIRE
EUR
EUR

FIRE-Zahl (nach Steuern)

EUR 689.051,26

≈ 16.58 Jahre

Simuliert · 7 % p.a. angenommen · keine Renditeprognose

Zum vollständigen Rechner →

Ein Hinweis zum Lesen der Ergebnisse: Der Rechner weist seine Renditeannahme von 7 Prozent p.a. ausdrücklich als Annahme ohne Renditeprognose aus. Es handelt sich um eine nominale Größe, also vor Abzug der Inflation. Wenn Sie die Coast-FIRE-Formel mit einer realen Rendite rechnen, etwa 4 bis 5 Prozent, ist das kein Widerspruch, sondern nur eine andere Brille: Die reale Sicht zieht die Geldentwertung bereits ab und beantwortet die Frage in heutiger Kaufkraft. Beide Zahlen sind Annahmen, keine Zusagen. Behandeln Sie das Ergebnis als Orientierung, nicht als Versprechen, und rechnen Sie es bewusst auch mit einer pessimistischeren Rendite durch.

Coast FIRE in Deutschland: Steuern einkalkulieren

Die internationale Coast-FIRE-Literatur rechnet meist brutto, also ohne Steuern. In Deutschland lohnt ein genauerer Blick, denn schon während der Ansparphase greift der Fiskus in das Wachstum ein, von dem die ganze Rechnung lebt. Das gilt besonders für thesaurierende ETFs, die Erträge nicht ausschütten, sondern wieder anlegen, weil hier die Vorabpauschale ins Spiel kommt.

Die Vorabpauschale (§18 InvStG) ist eine jährliche, pauschale Vorbesteuerung thesaurierender Fonds. Sie soll verhindern, dass die Steuer auf reinvestierte Erträge unbegrenzt aufgeschoben wird. Bemessen wird ein sogenannter Basisertrag: der Fondswert zu Jahresbeginn, multipliziert mit dem Basiszins und mit dem Faktor 70 Prozent, abzüglich etwaiger Ausschüttungen. Wichtig ist die Deckelung: Die Vorabpauschale ist auf den tatsächlichen Kursgewinn des Jahres begrenzt und beträgt null, wenn der Fonds gefallen ist. Der Basiszins wird jährlich vom Bundesfinanzministerium festgelegt; er lag 2024 bei 2,29 Prozent, 2025 bei 2,53 Prozent und 2026 bei 3,20 Prozent (BMF, 13.01.2026).

Drei Mechanismen mildern die Belastung in der Praxis, und alle drei spielen Coast FIRE in die Hände:

  1. Teilfreistellung. Bei Aktienfonds mit mehr als 50 Prozent Aktienanteil bleiben für Privatanleger 30 Prozent der Erträge steuerfrei (§20 InvStG). Das gilt auch für die Vorabpauschale, deren steuerpflichtiger Teil dadurch sinkt.
  2. Sparerpauschbetrag. Pro Jahr bleiben EUR 1.000 (Ledige) beziehungsweise EUR 2.000 (Zusammenveranlagte) an Kapitalerträgen steuerfrei (§20 Abs. 9 EStG). Bei kleinen und mittleren Depotständen reicht dieser Freibetrag oft aus, um die Vorabpauschale vollständig abzudecken, sodass faktisch keine Steuer anfällt.
  3. Anrechnung beim Verkauf. Die in den Vorjahren gezahlte Vorabpauschale wird beim späteren Verkauf gegengerechnet. Eine Doppelbesteuerung findet nicht statt; die Steuer wird im Ergebnis nur teilweise vorgezogen, nicht zusätzlich erhoben.

Kernaussagen

  • Coast FIRE lebt vom ungestörten Zinseszins, deshalb ist jede vorgezogene Steuer in der Ansparphase relevant.
  • Die Vorabpauschale auf thesaurierende ETFs ist gedeckelt, entfällt in Verlustjahren und wird beim Verkauf angerechnet.
  • Bei kleinen und mittleren Depots deckt der Sparerpauschbetrag die Vorabpauschale häufig vollständig ab.
  • Die 30-prozentige Teilfreistellung senkt die steuerpflichtigen Erträge zusätzlich.

Für die Praxis bedeutet das: In den frühen Jahren eines Coast-FIRE-Aufbaus, wenn der Depotstand noch moderat ist, bleibt der Zinseszins meist weitgehend ungestört, weil Freibetrag und Teilfreistellung die Vorabpauschale auffangen. Erst bei größeren Beständen wird die jährliche Vorbesteuerung spürbar, und auch dann bleibt sie gedeckelt und anrechenbar. Diese Reihenfolge passt gut zu Coast FIRE, weil die wirkungsvollsten Wachstumsjahre genau die frühen sind.

Im Kern

Coast FIRE ist eine Wette auf den Zinseszins über Jahrzehnte, und in Deutschland kostet schon die Ansparphase einen kleinen, aber realen Teil dieses Wachstums.

Eine letzte Einordnung zur späteren Entnahmephase, die jenseits des Coast-Punkts liegt: Wird das Depot eines Tages tatsächlich verzehrt, fällt die Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent (25 Prozent Kapitalertragsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf, mit Kirchensteuer etwas höher) nur auf den eingebetteten Gewinn der verkauften Anteile an, niemals auf das zurückgezahlte Kapital (§20 Abs. 4 EStG). Auch hier wirkt die Teilfreistellung. Das ist für die Coast-Rechnung selbst zweitrangig, aber es erklärt, warum die deutsche Steuer den Vermögensaufbau weniger hart trifft, als die nominale Tarifzahl vermuten lässt.

Coast FIRE vs. Barista FIRE

Coast FIRE und Barista FIRE werden oft verwechselt, weil beide einen Mittelweg zwischen Vollzeitarbeit und vollständigem Ausstieg beschreiben. Der Unterschied liegt in der Rolle der Arbeit und, in Deutschland besonders wichtig, in der Krankenversicherung.

Bei Coast FIRE arbeiten Sie in der Regel weiter wie bisher, oft sogar in Vollzeit, sparen aber nicht mehr für das Alter. Das Einkommen deckt das heutige Leben, das Depot wächst unangetastet. Bei Barista FIRE reduzieren Sie die Arbeit auf Teilzeit und greifen unter Umständen bereits teilweise auf das Portfolio zu, um die Einkommenslücke zu schließen. Der Name stammt aus den USA, wo ein Teilzeitjob (etwa als Barista) den Zugang zur betrieblichen Krankenversicherung sicherte.

In Deutschland verschiebt sich dieser Vorteil, ist aber ebenso real. Wer als pflichtversicherter Arbeitnehmer in einem echten sozialversicherungspflichtigen Job bleibt (über dem Minijob), zahlt seine Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung nur auf den Arbeitslohn (§226 SGB V). Kapitalerträge und Mieteinkünfte bleiben dabei beitragsfrei. Das ist der entscheidende Hebel von Barista FIRE hierzulande.

Anders sieht es bei freiwillig Versicherten aus, also bei Menschen ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Für sie gilt §240 SGB V: Beiträge werden auf das gesamte Einkommen erhoben, einschließlich Kapitalerträgen und Mieteinkünften, bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Dadurch werden Kapitalerträge zusätzlich zur Abgeltungsteuer mit rund 20,5 bis 21,1 Prozent (Kranken-, Zusatz- und Pflegeversicherung) belastet. Ein bloßer Minijob begründet keine Pflichtmitgliedschaft und schützt davor nicht.

MerkmalCoast FIREBarista FIRE
ArbeitWeiter wie bisher, oft VollzeitTeilzeit, reduzierter Umfang
Sparen fürs AlterNicht mehr nötigTeilweise, Lücke durch Teilzeit gedeckt
Portfolio-ZugriffKein Zugriff, Depot wächst ungestörtTeilweiser Zugriff zur Einkommensergänzung
KernideeZinseszins erledigt den RestArbeit und Portfolio teilen sich das Einkommen
GKV-Hebel (DE)Beiträge auf den ArbeitslohnPflichtmitgliedschaft hält Kapitalerträge beitragsfrei

Vereinfacht gesagt: Coast FIRE ist eine Frage des Sparens, Barista FIRE eine Frage des Arbeitens. Wer beide kombiniert, also früh genug investiert hat und zugleich in Teilzeit sozialversicherungspflichtig bleibt, kann die Stärken beider Wege verbinden.

Wann haben Sie Coast FIRE erreicht?

Coast FIRE ist erreicht, wenn die Hochrechnung Ihres heutigen Depots Ihre FIRE-Zahl trifft oder übersteigt: aktuelles Vermögen × (1 + r)^n >= FIRE-Zahl. In der Praxis ist dieser Moment jedoch weniger scharf, als die Gleichung suggeriert, und es lohnt, ihn mit Vorsicht zu behandeln.

Erstens hängt das Ergebnis vollständig an der angenommenen Rendite r. Weil r im Exponenten steht, kann derselbe Depotstand je nach Annahme über oder unter der Schwelle liegen. Es ist deshalb ratsam, den Coast-Punkt nicht als einzelne Linie zu sehen, sondern als Korridor zwischen einem vorsichtigen und einem optimistischen Szenario. Erst wenn Sie auch mit einer konservativen Rendite über der Schwelle liegen, steht der Plan auf festem Boden.

Zweitens ist die Renditereihenfolge nicht garantiert. Das sogenannte Rendite-Reihenfolge-Risiko (Sequence-of-Returns-Risiko) beschreibt, dass die zeitliche Abfolge der Erträge das Ergebnis verändert. In der reinen Ansparphase von Coast FIRE ist dieses Risiko geringer als in der späteren Entnahmephase, weil Sie nichts verkaufen müssen und schwache Jahre aussitzen können. Sobald Sie jedoch beginnen, das Depot zu verzehren, treffen schwache Jahre zu Beginn überproportional hart, weil Anteile in einem Abschwung verkauft werden und für die spätere Erholung fehlen. Übliche Gegenmittel sind ein Liquiditätspuffer von etwa zwei bis drei Jahresausgaben, flexible Ausgaben und ein vorsichtiger Übergang in die Entnahme.

Drittens lohnt der Blick darauf, mit welcher Entnahmerate Sie später kalkulieren, denn diese bestimmt indirekt Ihre FIRE-Zahl. Die bekannte 4-Prozent-Regel geht auf Bengen (1994) und die Trinity-Studie (1998) zurück, beides US-Backtests über historische Daten ab 1926. Über 30 Jahre war ein aktienlastiges Portfolio bei 4 Prozent Entnahme historisch fast immer erfolgreich (rund 95 Prozent). Diese Studien modellieren jedoch weder Steuern noch Fondskosten, und sie sind kein weltweit gültiges Gesetz, sondern ein historischer Rückblick. Für die langen Horizonte einer frühen Unabhängigkeit (40 bis 50 Jahre statt der 30 der Trinity-Studie) und unter Berücksichtigung der deutschen Steuer- und Krankenversicherungslast wird in Deutschland konservativer geplant: eher mit 3,0 bis 3,5 Prozent Entnahme, was rund dem 29- bis 33-fachen der Jahresausgaben entspricht, statt mit den 4 Prozent und dem 25-fachen der US-Regel. Das ist ein Planungsanker, kalibriert an der Vergangenheit, keine Zusage.

Szenario (30 Jahre, real)Angenommene RenditeEndwert (Index, heute = 100)
Optimistisch5,0 % p.a.rund 432
Vorsichtig3,5 % p.a.rund 281

Die Spreizung in dieser Beispielrechnung ist keine Spielerei, sondern der Kern der Botschaft: Zwischen einer optimistischen und einer vorsichtigen Renditeannahme liegt über drei Jahrzehnte ein Endvermögen, das gut ein Drittel auseinanderliegt. Die Zahlen sind beispielhaft hochgerechnet, keine Prognose. Genau deshalb ist Coast FIRE eine Annahme, kein Termin. Sie erkennen den Punkt nicht am Tag, an dem er eintritt, sondern erst Jahre später im Rückblick.

Praktisch heißt das: Behandeln Sie den ersten Moment, in dem die Hochrechnung Ihre FIRE-Zahl trifft, als Beginn eines Übergangs, nicht als Ziellinie. Es kann sinnvoll sein, die Sparrate nicht abrupt auf null zu setzen, sondern schrittweise zu senken, einen Puffer für die Annahme aufzubauen und den Plan regelmäßig mit aktualisierten Zahlen gegenzurechnen. So bleibt die Entscheidung reversibel, falls die Realität hinter der Annahme zurückbleibt.

Alle Renditeannahmen und Modellrechnungen in diesem Beitrag sind beispielhaft und keine Prognose. Coast FIRE beruht auf einer Annahme über künftige Erträge über viele Jahre, die niemand sicher kennen kann. Steuerliche Angaben geben den Stand 2026 wieder und ersetzen keine individuelle Steuerberatung. Dieser Beitrag erklärt allgemeine Prinzipien und ist keine Anlageberatung.

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