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WissenDie 4%-Regel in Deutschland: Warum 3,5% realistischer sind
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Die 4%-Regel in Deutschland: Warum 3,5% realistischer sind

Trinity-Studie trifft Abgeltungsteuer

Investboard Redaktion·30. März 2026

Inhalt

  • Die Trinity Study
  • Warum 4% in Deutschland nicht funktioniert
  • Der Steuer-Effekt auf die Entnahmerate
  • 3,5% als deutsche Faustregel
  • Entnahmeplan berechnen
  • Inflation und Sequenzrisiko
  • Praktische Strategien
Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Die Trinity Study
  • Warum 4% in Deutschland nicht funktioniert
  • Der Steuer-Effekt auf die Entnahmerate
  • 3,5% als deutsche Faustregel
  • Entnahmeplan berechnen
  • Inflation und Sequenzrisiko
  • Praktische Strategien

Die 4-Prozent-Regel ist die berühmteste Faustzahl der finanziellen Unabhängigkeit, und sie ist eine der am häufigsten missverstandenen. Sie verspricht eine angenehme Einfachheit: das 25-Fache der Jahresausgaben ansparen, jährlich vier Prozent entnehmen, vom Vermögen leben. Doch die Regel wurde in einem anderen Land, für einen anderen Steuerrahmen und für einen kürzeren Zeithorizont entworfen. Wer sie unverändert nach Deutschland importiert, plant mit einer Annahme, die hier nie getestet wurde.

Dieser Beitrag ordnet die Regel ein: woher sie kommt, was sie tatsächlich aussagt, und warum eine sorgfältige Planung in Deutschland eher um drei bis dreieinhalb Prozent kreist. Das ist keine Korrektur an einem Rechenfehler. Es ist die Anerkennung, dass drei voneinander unabhängige Faktoren in Deutschland anders liegen als in der ursprünglichen Studie.

Die Trinity-Studie

Die Regel hat zwei Wurzeln. Die erste ist eine Arbeit des US-Finanzplaners William Bengen aus dem Jahr 1994, veröffentlicht im Journal of Financial Planning. Bengen prüfte anhand historischer US-Daten ab 1926, welche anfängliche Entnahmerate ein Portfolio aus US-Aktien (S&P 500) und mittelfristigen US-Staatsanleihen über einen Mindesthorizont von 30 Jahren durchgehalten hätte. Sein Vorgehen ist der heute oft vergessene Kern der Regel: Man entnimmt im ersten Jahr vier Prozent und behält diesen Euro-Betrag danach real bei, also inflationsbereinigt, unabhängig davon, wie sich das Portfolio entwickelt. Bengen selbst war vorsichtiger als die Schlagzeile, die später aus seiner Arbeit wurde: Für Horizonte von 50 Jahren und mehr hielt er eher rund drei Prozent für "absolut sicher".

Die zweite Wurzel ist die sogenannte Trinity-Studie von 1998, benannt nach der Trinity University in Texas, verfasst von Cooley, Hubbard und Walz. Sie untersuchte US-Daten von 1926 bis 1995 über Horizonte von 15, 20, 25 und 30 Jahren und verschiedene Aktien-Anleihen-Mischungen. Das vielzitierte Ergebnis: Ein aktienlastiges Portfolio überstand eine reale Entnahme von vier Prozent über 30 Jahre in der Vergangenheit fast immer, in der Größenordnung von rund 95 Prozent der untersuchten Startzeitpunkte.

Daraus stammt die bekannte Umkehrung: Wer vier Prozent entnehmen will, braucht das 25-Fache seiner Jahresausgaben, denn 25 ist schlicht der Kehrwert von vier Prozent (1 geteilt durch 0,04).

Die 4-Prozent-Regel ist kein Naturgesetz. Sie ist ein historischer US-Rückblick mit klaren Grenzen.

Zwei dieser Grenzen sind für deutsche Anlegerinnen und Anleger entscheidend. Erstens modelliert die Studie weder Steuern noch Fondskosten: Die vier Prozent sind eine Brutto-Entnahme vor Steuern und Gebühren. Zweitens ist es ein Rückblick auf eine bestimmte Periode der US-Märkte, kein Versprechen und keine weltweit gültige Regel. Eine Vergangenheit, die fast immer funktioniert hätte, ist eine wertvolle Orientierung, aber keine Garantie für die Zukunft.

Investboard Redaktion·Aktualisiert: 30. März 2026

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Steuerberatung oder Anlageberatung dar. Für individuelle steuerliche Fragen wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater.

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  • Warum 4% in Deutschland nicht funktioniert
  • Der Steuer-Effekt auf die Entnahmerate
  • 3,5% als deutsche Faustregel
  • Entnahmeplan berechnen
  • Inflation und Sequenzrisiko
  • Praktische Strategien
Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Die Trinity Study
  • Warum 4% in Deutschland nicht funktioniert
  • Der Steuer-Effekt auf die Entnahmerate
  • 3,5% als deutsche Faustregel
  • Entnahmeplan berechnen
  • Inflation und Sequenzrisiko
  • Praktische Strategien

Warum 4% in Deutschland nicht funktioniert

Die 4-Prozent-Regel ist ein US-Rückblick: vor Steuern, vor Fondskosten, über 30 Jahre. In Deutschland ist eine konservativere Planung um 3,0 bis 3,5 Prozent angebracht, und zwar nicht allein wegen der Abgeltungsteuer. Drei voneinander unabhängige Faktoren stapeln sich: die Steuerlast auf Kapitalerträge, ein meist längerer Horizont von 40 bis 50 Jahren statt der getesteten 30, und die Kosten der Krankenversicherung vor dem Renteneintritt. Die Steuer allein senkt die Rate nicht auf 3,5 Prozent.

Es lohnt sich, diese drei Faktoren getrennt zu betrachten, weil sie oft in einen Topf geworfen werden.

Der erste Faktor ist die Steuer. Die 4-Prozent-Regel rechnet brutto. In Deutschland werden Kapitalerträge mit der Abgeltungsteuer belegt. Sie beträgt 26,375 Prozent, zusammengesetzt aus 25 Prozent Kapitalertragsteuer (§ 32d EStG) und 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf. Mit Kirchensteuer fällt sie etwas höher aus. Wichtig ist jedoch: Diese Steuer trifft nicht die gesamte Entnahme, sondern nur den darin enthaltenen Gewinn. Genau das macht die Wirkung kleiner, als die nackte Prozentzahl vermuten lässt, wie der nächste Abschnitt zeigt.

Der zweite Faktor ist der Zeithorizont. Die Trinity-Studie testet 30 Jahre. Wer mit Mitte 40 oder früher aus dem Erwerbsleben aussteigt, plant womöglich für 40 bis 50 Jahre. Über einen so langen Zeitraum sinkt die historisch tragfähige Rate, weil mehr ungünstige Marktphasen durchgestanden werden müssen. Analysen aus der Forschung um Kitces, Pfau und den Blog Early Retirement Now legen für solche Horizonte eher rund 3,0 bis 3,5 Prozent nahe.

Der dritte Faktor ist die Krankenversicherung. In Deutschland ist sie für früh aus dem Beruf Ausgeschiedene oft der größte versteckte Posten vor dem regulären Renteneintritt, und sie hat mit Steuern nichts zu tun. Wer freiwillig gesetzlich versichert ist, zahlt Beiträge auf das gesamte Einkommen, einschließlich der Kapitalerträge. Dieser Posten reduziert das, was real zum Leben bleibt, zusätzlich zur Steuer.

Die ehrliche Schlussfolgerung lautet deshalb: Nicht ein einzelner Effekt drückt die deutsche Faustzahl unter die amerikanische, sondern das Zusammenspiel dreier Faktoren. Wer den Rückgang allein der Abgeltungsteuer zuschreibt, vereinfacht zu stark.

Der Steuer-Effekt auf die Entnahmerate

Der häufigste Denkfehler ist die naive Subtraktion: vier Prozent entnehmen, davon 26,375 Prozent Steuer abziehen, fertig. Bei einer Entnahme von EUR 40.000 wären das EUR 10.550 Steuer. Diese Rechnung überschätzt die tatsächliche Belastung deutlich, weil sie übersieht, dass nur der Gewinnanteil der verkauften Anteile besteuert wird, niemals das zurückgezahlte eingesetzte Kapital (§ 20 Abs. 4 EStG).

Eine deterministische Beispielrechnung macht das greifbar. Sie ist beispielhaft und keine Prognose.

Beispielrechnung Steuerlast einer Entnahme

Portfolio EUR 1.000.000, Entnahme 4% = EUR 40.000. Angenommener eingebetteter Gewinnanteil: 50% → roher Gewinn EUR 20.000. Teilfreistellung Aktienfonds 30% steuerfrei: EUR 20.000 × 0,70 = EUR 14.000. abzüglich Sparerpauschbetrag EUR 1.000 = EUR 13.000 zu versteuern. Steuer: EUR 13.000 × 26,375% = EUR 3.428,75. Das sind 8,57% der Entnahme, ein Renditeabschlag von rund 0,34 Prozentpunkten. Netto bleiben rund 3,66% statt 4%.

Zwei Mechanismen sorgen dafür, dass die Last unter der naiven Schätzung liegt. Erstens die Teilfreistellung: Bei Aktienfonds, die zu mehr als 50 Prozent in Aktien investiert sind, bleiben für Privatanleger 30 Prozent der Erträge steuerfrei (§ 20 InvStG), der effektive Satz auf Fondsgewinne sinkt damit auf 18,4625 Prozent. Zweitens der Sparerpauschbetrag von EUR 1.000 für Alleinstehende, EUR 2.000 für Zusammenveranlagte (§ 20 Abs. 9 EStG). Die Reihenfolge ist dabei wichtig: erst die Teilfreistellung, dann der Pauschbetrag.

Im Beispiel überschätzt die naive Subtraktion (EUR 10.550) die wahre Last (EUR 3.428,75) um etwa das Dreifache. Dieser Faktor ist allerdings nicht konstant. Er hängt vom eingebetteten Gewinnanteil ab, und dieser steigt über die Jahre. Denn pro Depot gilt zwingend das FIFO-Prinzip (§ 20 Abs. 4 S. 7 EStG): Die ältesten Anteile werden zuerst verkauft. Mit der Zeit sind das die mit dem höchsten relativen Gewinn, sodass der besteuerte Anteil der Entnahme über die Jahrzehnte zunimmt. Früh im Ruhestand ist die Steuerlast also gering, später wächst sie.

USA (Trinity)Deutschland (Planung)
Faustregel-Entnahmerate4%rund 3,0–3,5%
Benötigtes Vielfaches25×rund 29× bis 33×
Steuer auf Erträgeim Modell nicht erfasstAbgeltungsteuer 26,375%, nur auf den Gewinn
Teilfreistellung Aktienfondsnicht relevant30% steuerfrei (§ 20 InvStG)
Getesteter Horizont30 Jahreoft 40–50 Jahre angestrebt
Krankenversicherung

Die Tabelle stellt eine historische US-Backtest-Größe einer deutschen Planungsgröße gegenüber. Die linke Spalte ist ein Vergangenheitsergebnis, die rechte eine vorsichtige Vorausplanung, keine gemessene Zahl.

3,5% als deutsche Faustregel

Kernaussagen

  • Die 4%-Regel stammt aus den USA: vor Steuern, vor Fondskosten, ein 30-Jahre-Rückblick.
  • In Deutschland ist eine Planung um 3,0 bis 3,5% angemessener, das entspricht rund dem 29- bis 33-Fachen der Jahresausgaben.
  • Der Abschlag hat drei Ursachen, nicht nur die Steuer: Abgeltungsteuer, ein längerer Horizont (40+ Jahre) und die Krankenversicherung vor der Rente.
  • Besteuert wird nur der Gewinn, nicht das eingesetzte Kapital, deshalb ist der Steuerabschlag kleiner als die naive Subtraktion vermuten lässt.

Drei bis dreieinhalb Prozent sind als Planungsanker zu verstehen, geeicht an historischen Daten und an den genannten deutschen Besonderheiten. Es ist ausdrücklich kein garantierter Wert. Welcher Punkt innerhalb der Spanne sinnvoll ist, hängt vom eigenen Horizont ab: Wer für 30 Jahre plant, kann näher an dreieinhalb Prozent denken; wer mit 40 oder 45 für ein halbes Jahrhundert plant, eher an drei. In Vielfachen ausgedrückt entspricht das grob dem 29- bis 33-Fachen der Jahresausgaben, mit rund dem 30-Fachen als brauchbarem Mittelwert. Diese Zahl ist eine Orientierung für die Größenordnung des Ziels, kein Freibrief, im konkreten Jahr blind so viel zu entnehmen.

Entnahmeplan berechnen

Rechner · Entnahmeplan
EUR
EUR

Depot hält

Unbegrenzt

Entnahmerate: 5.5%

Zum vollständigen Rechner →

Der Rechner zeigt, wie sich eine gewählte Entnahmerate über die Zeit auf das Vermögen auswirkt. Er ersetzt keine individuelle Planung, sondern macht die Hebel sichtbar: Vermögen, Rate und Horizont. Wer die Rate von vier auf dreieinhalb Prozent senkt, sieht unmittelbar, wie viel zusätzliche Tragfähigkeit dieser eine halbe Prozentpunkt erzeugt. Annahmen zu Rendite und Inflation bleiben dabei genau das, Annahmen, keine Vorhersage.

Inflation und Sequenzrisiko

Zwei Themen entscheiden in der Entnahmephase oft mehr über den Erfolg als die genaue Höhe der Startrate.

Das erste ist die Inflation. Die ursprüngliche Regel entnimmt nicht einen festen Euro-Betrag, sondern einen festen realen Betrag: Die anfänglichen vier Prozent werden Jahr für Jahr an die Inflation angepasst. Wer das übersieht und nominal konstant entnimmt, plant scheinbar konservativer, verliert aber real über die Jahre an Kaufkraft. Eine ehrliche Planung muss festlegen, ob die Entnahme die Kaufkraft erhalten soll, und dann die Inflation einkalkulieren.

Das zweite ist das Sequenzrisiko, auch Rendite-Reihenfolge-Risiko genannt. Es beschreibt einen Effekt, der nur in der Entnahmephase wirkt: Nicht nur die Höhe der Renditen zählt, sondern auch ihre Reihenfolge. Schwache Renditen in den ersten Jahren richten dauerhaften, überproportionalen Schaden an, weil in einem Abschwung verkaufte Anteile fehlen, wenn der Markt sich später erholt. Genau diese Anteile können dann nicht mehr mitsteigen.

Im Kern

In der Ansparphase ist die Reihenfolge der Renditen gleichgültig, in der Entnahmephase entscheidet sie über den Bestand des Vermögens.

Das erklärt, warum keine feste Entnahmerate vollkommen sicher sein kann. Ein ungünstiger Start kann selbst eine vorsichtige Rate gefährden, und ein günstiger Start verzeiht selbst eine etwas zu hohe. Aus dieser Einsicht folgen die praktischen Strategien des nächsten Abschnitts.

Praktische Strategien

Da das Sequenzrisiko vor allem die ersten Jahre betrifft, zielen die wirksamsten Ansätze darauf, in genau diesen Jahren nicht in einen Abschwung hinein verkaufen zu müssen.

Ein Liquiditätspuffer. Wer rund zwei bis drei Jahresausgaben in liquiden, schwankungsarmen Mitteln vorhält, kann in einem schwachen Marktjahr aus diesem Puffer leben, statt Aktienanteile zu Tiefkursen zu verkaufen. Der Puffer ist kein Renditebringer, sondern eine Versicherung gegen den ungünstigsten Zeitpunkt.

Flexible Ausgaben. Wer die Entnahme in schwachen Jahren senken kann, etwa indem größere, aufschiebbare Ausgaben verschoben werden, entlastet das Portfolio genau dann, wenn es am verwundbarsten ist. Flexibilität ist oft wertvoller als ein paar Zehntelprozentpunkte bei der Startrate.

Dynamische Leitplanken. Regelbasierte Ansätze wie die dynamischen Leitplanken (Guardrails) nach Guyton-Klinger erlauben einen höheren Startwert und definieren Leitplanken von etwa plus/minus 20 Prozent um den Pfad. In schlechten Jahren wird die Entnahme um rund zehn Prozent gekürzt, und nach einem Verlustjahr wird die Inflationsanpassung ausgesetzt. Das verbessert die Langlebigkeit des Portfolios, erkauft sich das aber mit einem schwankenden Einkommen.

Diese drei Strategien lassen sich kombinieren. Ihr gemeinsamer Kern: Eine starre Rate ist fragiler als ein Plan, der auf die Reihenfolge der Renditen reagieren darf. Die Faustzahl gibt die Größenordnung des Ziels vor, die Strategie entscheidet darüber, ob der Plan auch einen schlechten Start übersteht.

Die Beispielrechnungen in diesem Beitrag sind beispielhaft und keine Prognose. Sätze, Freibeträge und der Basiszins entsprechen dem Stand 2026 und können sich ändern. Der Beitrag erklärt allgemeine Prinzipien und das geltende Steuerrecht; er ist keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung. Die tragfähige Entnahmerate hängt von persönlichen Umständen ab, und das Sequenzrisiko bedeutet, dass keine feste Rate garantiert werden kann.

Bevor Sie eine Entnahmerate festlegen

Im Investboard sehen Sie, was eine Entnahme an Steuern und Kosten wirklich bedeutet, und wie eine Rate Ihr Vermögen über die Jahre trägt.

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